Multifokallinsen

Vergleichbar mit der Operation des Grauen Stars (Cataract), wird die natürliche Augenlinse chirurgisch entfernt und durch eine künstliche Intraokularlinse (IOL) gleichenorts ersetzt.

Es gibt verschiedene Intraokularlinsen. Im folgenden Abschnitt widmen wir uns der Mehrstärkenlinse oder Multifokallinse.

Mit der Implantation einer Multifokallinse entscheidet sich der Patient oder Kunde für ein technisches High End Produkt mit einer Vielzahl an Möglichkeiten. Das menschliche Auge ist ein von Natur aus hochentwickeltes Sinnesorgan mit nahezu perfekter Adaptierung an alle Gegebenheiten und Anforderungen des Alltages. Bis die natürliche Alterssichtigkeit eintritt und die Leistungsgrenze des Sehens für die Nähe sich irreversibel bemerkbar macht. Der Wunsch nach einem jugendlichen Sehen für die Nähe und die Ferne kann am Ort der natürlichen Augenlinse am besten erfüllt werden. Mehr als 80 Prozent der mit einer multifokalen Intraokularlinse ausgestatteten Patienten benötigen keine optischen Hilfsmittel und können Ihre beruflichen und privaten Tätigkeiten verrichten und brillenfrei leben.

Wie ist das Sehen mit einem multifokalen Implantat?
Stellen Sie sich einen ruhigen Teich vor und werfen Sie einen Stein in das Wasser. Sie werden merken, dass sich mehrere, um die Einwurfstelle konzentrische Kugelwellen bilden. Ähnlich diesem harmonischen Bild ist der Aufbau der Mehrstärkenlinse gegliedert. Neun respektive zwölf Ringe erlauben ein Lesen in 30cm oder 40cm Abstand (dies entspricht den meisten Lesedistanzen), die verbleibende optische Verteilung auf der Linsenoberfläche dient dem guten Sehen für die Ferne. Der konzentrische Aufbau der Linsenoptik erlaubt eine Überlagerung zweier Seheindrücke der Augen zu einem Gesamtbild. Diese Überlagerungsunschärfe macht sich anfänglich bemerkbar. Der Umstand, dass unser Gehirn schon in jungen Jahren gelernt hat, gewisse Unschärfen zu retuschieren, ermöglich erst ein Funktionieren dieses Prinzips.

Die Berücksichtigung des Sehens bei Tag und Nacht
Je mehr verschiedene Optiken das Licht durchlaufen muss, umso mehr Verlust ist die direkte Folge daraus. Das gleiche Prinzip lässt sich auf verschiedene Fokusebenen anwenden. Die feinen, konzentrischen Ringstufen regulieren den Lichteinfall (Energieverteilung) und den Übergang zugunsten der einzelnen Sehbereiche. In der Nacht oder bei Dämmerung ist weniger Licht vorhanden. Die Pupillen (Irisblende) öffnen sich, damit trotz weniger Licht genug Information auf die Netzhaut gelangt und ein Sehen auch bei Dunkelheit ermöglicht wird.
Die künstliche multifokale Linse ist so konstruiert, dass bei normal geöffneter Pupille von etwa 2 – 3 mm Durchmesser genügend viel Lichtstimulation damit die Fern- und Nahfokussierung erfolgreich funktioniert. Somit ist es möglich, am Tag bequem zu lesen und in die Ferne zu sehen. Bei weit geöffneten Pupillen (Nacht oder Dämmerung) wird das Licht für die Fernsicht genutzt. Im Alltag bedeutet dies, dass bei schlechten Lichtverhältnissen das Lesen für die Nähe mühsamer wird andererseits jedoch störende Lichtquellen wie Scheinwerfer oder Verkehrssignale weniger störend erscheinen. Für den täglichen Gebrauch bedeutet das: Gute Beleuchtung verbessert die Lesequalität!

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein multifokales Implantat?
Damit der Vorteil einer multifokalen Linse gewinnbringend genutzt werden kann, sollte sich das Auge bereits in einer alterssichtigkeits Situation befinden. Dies ist bestimmt ab dem 50sten Lebensjahr der Fall. Zudem hat zu diesem Zeitpunkt das Auge bereits wichtige physiologische Veränderungen durchlaufen, welche sich günstig gegenüber einer Operation an der eignen natürlichen Augenlinse zeigen.

Die Wahl einer multifokalen Linse
Die Natur in Ihrer Perfektion zu kopieren gelingt uns bis heute noch nicht. Eine multifokale Linse stellt einen sehr guten Kompromiss dar. Die ausführliche Voruntersuchung, das folgende Aufklärungsgespräch, in Erfahrung bringen Ihrer Erwartungshaltung und ein Begleiten und Unterstützen nach der Operation sind wichtige Voraussetzungen für ein Gelingen und Zufriedenheit mit dem neu gewonnenen Sehen für Fern und Nah. Geben Sie sich und Ihrem neuen Sehen ein paar Monate Zeit, um Ihren Ansprüchen zu genügen und sich an die Gepflogenheiten zu adaptieren.